Hangar (2) Bush Hawk XP
2. Found Aircraft Bush Hawk XP
Ein ganz anderes Kaliber als mein Favorit, die ACA Scout, ist die Bush Hawk XP. Aus ihrem max. Startgewicht von 1580 Kg (3500 lbs) und stolzen 300 hp ergibt sich ein beachtliches Verhältnis (Powerload) von 5,3 kg/hp (Scout 5,4 kg/hp). Damit sollten beide Maschinen etwa gleiche Leistung zeigen, wobei die Hawk deutlich mehr Zuladung erlaubt (690 kg / 340 kg). Da die Bush Hawk auch mit sehr kurzen Start- und Landebahnen auskommt (STOL), ist sie ein typischer Lastesel, wie ihn Buschpiloten bevorzugen. So werden Bush Hawks z.B. vom US Fish & Wildlife Departement eingesetzt. Dem entsprechend sieht man in unseren Breiten selten eine Hawk. Bush Hawks finden meist in Australien, Canada und Alaska ihr Einsatzgebiet.
Aber auch in den Alpen gibt es Manches zu transportieren. Zur Versorgung von Berghütten u.ä. bietet sich die Hawk an und steht deshalb seit ihrer Verfügbarkeit im „Alpenflieger-Hangar“ (siehe auch Artikel: Bush Hawk XP vom 20. April 2009)
Geschichte:
Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der kanadischen Flugzeugindustrie schrieben die Found Brüder. Auf Grund ihrer Erfahrungen als Buschpiloten waren sie überzeugt, dass ein kleines, robustes Flugzeug in den nördlichen Gebieten Canadas profitabler eingesetzt werden könnte, als die bis dato verwendeten großen Flugzeuge. Das Konzept, das gegen Ende des 2. Weltkrieges entstanden war, wurde mit Versuchen an Modellen im Windkanal an der Universität von Toronto (Prof. T.R. Louden) fortgesetzt.
1946 wurde dann die Found Brothers Aviation Ltd. geründet und mit der Konstruktion der FBA-1 begonnen, die bereits 1948 zum Erstflug bereit stand. Am 27. Juni 1949 führte Mickey Found den Jungfernflug erfolgreich durch. Nach nur 20 Flugstunden, in denen Daten für ein Produktionsmodell gesammelt wurden, wurde die FBA-1 zerlegt. In Folge starteten die Arbeiten an der erheblich veränderten FBA-2.
Bei der FBA-2 wurde der Schwerpunkt der Entwicklung auf die leichte Wartbarkeit gelegt. Der Pilot sollte auch an entlegenen Orten in der Lage sein, mit wenigen Handgriffen und einem Minimum an Werkzeugen Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführen zu können. Die Konstruktion begann 1950, wurde aber bald wieder eingestellt. Durch die Folgen des Koreakrieges musste Found Aviation restrukturiert werden.
Doch 1957 begann Found Brothers Aviation mit einem kleinen Budget wieder an der FBA-2 zu arbeiten. Bereits im Juni 1960 hatte Chef-Ingenieur L.M. Treleman den Prototyp fertig gestellt. Inzwischen hatte Found Aircraft erhebliche Marktanteile an Cessna verloren, die in Kanada seit Mitte der Fünfziger große Stückzahlen der C180 verkaufen konnten.
Am 11. August 1960 fand der Erstflug der FBA-2 statt, die auf einer 11-jährigen Entwicklungszeit basierte. Nach ersten Versuchen mit britischen Motoren wurde jetzt der Lycoming O-540 mit 250 hp verwendet. Das neue Flugzeug zeigte die gewünschten Eigenschaften wie STOL-Fähigkeit, kräftige Steigrate bis zu 10.000 ft und eine möglichst große Zuladung (1300 lbs).
1961 wurde das Unternehmen nach Rexdale verlegt, wo eine Fläche von 2500 sqft zur Verfügung stand und die Produktion der ersten drei Maschinen begann. Mitte 1964 wurde ein erneuter Umzug in ein größeres Gelände erforderlich, um die Produktion auf 2,5 Flugzeuge pro Monat steigern zu können. 1966 verließen die Found Brüder die Firma, die inzwischen bereits 22 Flugzeuge ausgeliefert hatte.
Unter dem neuen Management wurde die FBA-2 Linie eingestellt und durch das erheblich verbesserte Modell Cenntential 100 ersetzt. Bereits am 7. April 1967 startete der Prototyp CF-100-X zum Erstflug und erhielt im August 1968 die Zertifizierung.
Leider kam Found Aircraft im November 1968 in finanzielle Schwierigkeiten und wurde zu Verkauf angeboten. Am 4. März 1968 wurden die Anlagen des Unternehmens öffentlich versteigert. Damit fand eine 30-jährige Entwicklung ihr Ende.
In den folgenden 40 Jahren hat sich die FBA-2C als robustes, sicheres und wirtschaftliches Flugzeug für den Norden Canadas einen Namen gemacht. 1996 erwarb die Found Aircraft Development Inc. die Rechte an der FBA-C und begann mit der Entwicklung eines verbesserten Modells FBA-2C2 „Bush Hawk XP“ Bereits 1999 wurde die Bus Hawk von der Transport Canada zertifiziert.
In den Jahren 2000 bis 2007 wurde die Bush Hawk XP gebaut, bis sie vom Folgemodel Expedition E350 abgelöst wurde. Glücklich, wer eine Bush Hawk aus dieser Zeit sein eigen nennen kann.
Bush Hawk XP für den FSX:
Wie bereits im Artikel „Bush Hawk“ beschrieben gibt es seit einigen Monaten eine Bush Hawk XP für den FSX. Ermutigt von zahlreichen Vorschaubildern konnte ich nicht abwarten, bis eine Box-Version verfügbar ist. Der Download ging wie bei Aerosoft gewohnt ohne Probleme von statten, nachdem 29,95€ bezahlt waren. Bei der Installation der aktuellen Version werden zwei verschiedene Modelle angeboten. Neben der normalen Version kann auch eine Version mit verringerter Zahl Vertices (Geometriepunkte) installiert werden, die auch auf schwächerer Hardware gute Framerates ermöglicht. Damit haben sich die Klagen in einigen Foren und Blogs über zu geringe Frameraten wohl erledigt.
Das Handbuch ist mit 26 Seiten wie gewohnt eher ein Heftchen. Es enthält aber Alles was man für die ersten Flüge wissen muss. Wer mehr erfahren möchte, kann bei Foundair im Web das Original Flughandbuch herunter laden.( Flughandbuch Damit kann der Pilot alle Details des Fliegers studieren und dann die Bush Hawk bedienen wie in der Realität.
Anhand dieses Manuals kann man auch sehr gut überprüfen, wie weit das Computermodell ein realistisches Flugverhalten zeigt. Obwohl noch zu wenig Flüge absolviert wurden, um ein abschließendes Urteil zu fällen, finde ich die Umsetzung sehr realitätsnahe.
Die Bush Hawk fliegt sich ausgesprochen ruhig und ausgeglichen. Mit geringem Seitenruderdruck fliegt die Hawk geradeaus wie auf Schienen. Die Stabilität um alle Achsen ist sehr ausgewogen. Trotzdem lässt sie sich leicht in die Kurve legen, um mit geringem Seitenruder eine koordinierte Kurve zu fliegen. Die Trimmung spricht sehr empfindlich an und will mit Gefühl geändert werden. Der Flieger ist so stabil, dass er nur schwer zum Stall zu bringen ist, der erst sehr spät auftritt und leicht abzufangen ist.
Die Bush Hawk wird von einem Lycoming IO-540_1C5 angetrieben, der ca. 300 hp Leistung abgibt. Wie bereits oben dargelegt ergibt sich daraus ein Leistungs-Gewicht von 5,3 kg/hp. Daraus sollten ähnlich spritzige Leistungswerte resultieren, wie bei meiner Scout. Tatsächlich ist eine Steigrate von über 1100 ft/min und eine Geschwindigkeit von 145 kt möglich. Mit diesen Werten und einer Dienstgipfelhöhe von 18.000 ft kann das Flugzeug problemlos in den Alpen eingesetzt werden. Dabei können aber bis zu 4 Passagiere + Pilot transportiert werden.
Von den optischen Qualitäten der Bush Hawk, kann sich jeder an Hand einer Vielzahl von veröffentlichten Screenshots selbst überzeugen. Offensichtlich wurden für dieses Modell alle neuen, gestalterischen Möglichkeiten des FSX genutzt. Das Paket enthält 15 verschiedene Bemalungen von denen jeweils eine Wheel, Floats und Ski-Version vorhanden ist. Auch verschiedene Panels für VFR und IFR-Flüge werden angeboten. Alle Elemente sind hervorragend dargestellt, wirken auf mich aber etwas zu neu und steril. Ich persönlich finde Flugzeuge mit etwas Patina und leichten Gebrauchsspuren einfach sympatischer.
Ein ganz besonderes Highlight ist das virtuelle Cockpit, das mit modernen digitalen Instrumenten bestückt ist. Damit ist ein besonders schonendes Motormanagement möglich, da z.B. Zylinderkopf- und Abgas-Temperaturen für jeden Zylinder einzeln angezeigt werden. Alle Schalter und Knöpfe sind selbstverständlich voll funktionstüchtig. Die Instrumentenbeleuchtung ist dimmbar, was besonders gut aussieht. Ebenfalls sehr gelungen ist die Vereisung der Scheibe gestaltet, die sich wie einige weitere Effekte über ein spezielles Panel steuern läßt. Ein Garmin GNS430, das im Manual ausführlich erläutert wird, ergänzt die Instrumentierung. Der GPS-Bildschirm ist aber zu klein, um tatsächlich genutzt zu werden. Alles in Allem ein sehr gelungenes Cockpit.
Aerosoft hat dem Paket 12 Missionen beigelegt, wobei auch ein sehr empfehlenswerter Einführungsflug ist. Dort findet man auch eine kleine Scenery mit der Found Aircraft Fabrik. Aeorosoft hat sich alle Mühe gegeben, ein rundes Paket abzuliefern. - Ich glaube das ist gelungen.Das Haar in der Suppe:
Bei allem Beifall zu der gelungenen Bush Hawk, muß ich aber auch Kritik üben. Das Problem mit den niedrigen Framerates ist ja durch ein weiteres Model beseitigt. Wie die Bilder bezeugen, läuft bei mir der FSX mit Addons wie VFR-Germany, Swiss Profess., Austria Pro, FS-Map und der Bush Hawk meist mit über 30 fps, was mehr als ausreicht.
Ärgerlich dagegen ist, dass einige Modelle der Bush Hawk zittrige Seitenruder hatten und damit unfliegbar waren. Bisher habe ich die Ursache nicht finden können. Mit FSUIPC konnte ich aber die Achsen neu zuordnen und kalibrieren, was das Zittern behob.
Sonst konnte ich bis heute keine weiteren Mängel feststellen. Immer öfter hole ich eine Bush Hawk aus dem Hangar, um zu den Gipfeln der Alpen aufzusteigen. Natürlich kann ich die Bush Hawk jedem Bushflieger oder Reiseflieger nur empfehlen.
Hier noch einige Links zur Vertiefung:
Für die Profis noch ein Blick auf die Geschwindigkeiten der Bush Hawk:
(Vollständige Daten sie Flughandbuch)
Geschwindigkeiten für 3.400 lbs Gewicht:
Start (normal) 70-80 KIAS
kurzer Start 20° Klappen 65 KIAS
Steigflug:
normal (Meereshöhe) 80-90 KIAS
best Rate of Climb 81 KIAS
best Rate at 10.000 ft 77 KIAS
best Angle of Climb 65 KIAS
best Angle at 10.000 ft 71 KIAS
Landeanflug:
normal (o.Klappen) 76-86 KIAS
normal (30° Klappen) 66_76 KIAS
kurze Landung (30° Klappen) 60 KIAS
max. Windgeschw. Bei Start u. Landung 15 KIAS
Und zum Schluss hier das Promotion Video von Aerosoft auf Youtube:
Ich hoffe; Ihr habe genauso viel Spaß mit der Bush Hawk wie ich!
Euer
mak






