der Alpenflieger
30. Juni 2009
Revell Ju88
Ein paar Jahre später - von meinen militärischen Altlasten befreit - wendete ich mich wie alle Pubertierenden dem Leben zu. Jetzt interessierten mich Mädchen, Musik ,Sport und mehr oder weniger die Schule. Für Jahre war die Fliegerei ganz aus meinen Gedanken verschwunden.
Erst ein kurz vor dem Abi hat mich ein Schulfreund ein paar mal mit Segelfliegern bekannt gemacht. Schnell war die Begeisterung für die Luftfahrt wieder geweckt. Und nach ein paar Runden als Passagier des Schleppers, einer alten Cessna 170, war ich überzeugt. Ich will fliegen!
Aber wie so oft im Leben, war wohl nix! Der Traum war bereits nach wenigen Flugstunden zu Ende. Bei einem unverschuldeten Autounfall zog ich mir u.a. einen Schädelbruch mit vollständiger Zerstörung des Innenohres zu. Kein Fliegerarzt wird mir mit diesem Defekt des Gleichgewichtsorgans je die Flugtauglichkeit bescheinigen. Ohne Medical keine Lizenz! – aus der Traum!
In den nächsten Jahren schlug ich mir die Fliegerei aus dem Kopf und konzentrierte ich mich auf mein Chemie-Studium, mein Motorrad und die entsprechende Sozia. Bereits in den ersten Semestern, Anfang der 70iger Jahre wurde ich mit Computern konfrontiert, die damals noch in monströsen Schränken steckten, keinen Monitor besaßen und nur mittels Lochkarten ihre Ergebnisse ausspuckten. Damals konnte ich noch nicht absehen, wie stark mich diese Entwicklung der EDV auf Jahre fesseln würde.
An dieser Stelle führt es leider zu weit, näher auf die fantastische Geschichte der Computer vom legendären 8-Bit Prozessor Z80 (Sinclair ZX, Schneider CPC, TRS 80 u.v.m) bis zu modernen Power-PCs einzugehen. Aber schon seit der Version 1 ist der FS ein besonderer Prüfstein für die Leistungsfähigkeit der Computersysteme. Manchmal war der FS seiner Hardware weit voraus (FS2000, FSX), was zu erheblichen Verärgerungen bei den Anwendern führte.

FS 1 für Apple II
Sublogic entwickelte bis 1986 weitere Versionen des Flugsimulators (FS2 u. FS3) für die damals noch gängigen Homecomputer wie Atari 800, Atari ST, Commodore C64 und Amiga. Das Unternehmen subLogic (sublogic.us) ist auch heute noch aktiv und beschäftigt sich u.a. noch immer mit Simulationen.
1982 erwarb Microsoft die Lizenz für den Flugsimulator und entwickelte den MS FS1 für PC/MS-DOS. Von diesem Zeitpunkt an begleitete der MS-Flugsimulator alle weiteren Betriebssysteme von Microsoft. In den ersten Jahren war der MS-FS sogar der wichtigste Kompatibilitäts-Test für die zahlreichen Nachbauten des IBM-PC.
Ich bin durch diesen Kompatibiltiätstest zum ersten Mal mit dem Flusi in Berührung gekommen. Nach einigen Jahren in der Chemie hatten die Computer mich so in ihren Bann gezogen, dass ich mich neu orientierte. Wer diese Zeit des ersten PC-Booms mit erlebt hat, wird mich wahrscheinlich gut verstehen. Inzwischen war ich Mitinhaber eines EDV-Unternehmens.
Weniger gut nachvollziehbar ist dagegen meine neue Begeisterung für den Flugsimulator, denn der bot damals nur ein paar Linien mit Gebrumm. Heute kann ich auch nicht mehr ganz nachvollziehen, was daran so spannend war. Trotzdem habe ich neben Computerladen und Fernstudium in Hagen noch die Zeit gefunden, mich mit dem Simulator und der Fliegerei zu beschäftigen.
So ganz genau erinnere ich mich nicht mehr, wann mir mein erster Start im Flusi gelungen ist, aber es dürfte bereits der MS-FS2.1 (1984) gewesen sein, der 6 Farben darstellte und ca.80 Flugplätze beinhaltete. Bereits mit dieser Version war der FS mehr als ein Spiel. Viele Luftfahrtbegeisterte begannen die reale Fliegerei möglichst realistisch nach zu ahmen.
So habe ich damals versucht, meinen Jugendtraum so weit als möglich zu realisieren. Ich habe versucht, möglichst genau die Ausbildung zur PPL nach zu vollziehen. Auch wenn im Fsim wichtige Elemente, wie zB. das Wetter und der Funkverkehr, immer nur eine grobe Vereinfachung der Realität sind, war die Prüfung kein „Kinderspiel“. Die Übungsflüge und die Vorbereitung auf die graue Theorie waren teilweise richtig schwierig. Andererseits hat es aber auch echt Spaß gemacht und mein Respekt vor den realen Piloten ist dadurch erheblich gewachsen.
Da Microsoft vier Jahre lang auf eine neue Version warten ließ, habe ich auch andere Flugsimulatoren getestet. Aber bis auf wenige Ausnahmen, waren das meist Flugspiele, die wenig mit der realen Fliegerei gemeinsam hatten. Andere Flugsimulatoren zeigten zwar gute Ansätze, die aber dann leider nicht weiter entwickelt wurden. So erinnere ich mich noch gut an “Flight unlimeted II” oder den „roten Kampflieger“ M.v. Richthoven aus den „Flying Corps“ .
Nachdem inzwischen auch erste Addons für den FS auf dem Markt erschienen waren veröffentlichte MS im Sommer 1988 den MS-FS 3. Das Programm wurde immer noch von B. Artwick in seinem Unternehmen BAO Ltd. (Bruce Artwick Organisation) entwickelt. Die Verbesserungen der Version wie, 16 Farben EGA-Grafik , höherer aufgelöste Texturen, verbessertes Wettersystem waren aber nicht so deutlich, wie die lange Entwicklungszeit hatte erwarten lassen.
So erschien bereits ein Jahr später, im Sept. 1989 der MS-FS 4.0, als nächste Generation des Flugsimulators. Die Erweiterungen waren tatsächlich sehr deutlich. Ein verbessertes Flugmodell, dynamische Szenerien, Segelflug und vieles mehr zeugten tatsächlich von einer neuen Generation des MS-FS. Doch die vielen Änderungen führten leider auch zu vielen Fehlern. Folglich folgte bereits im Januar 1990 die fehlerbereinigte V. 4.0b.
In dieser Zeit entstanden immer mehr Addons und Zusatzprogramme zum FS, besonders da BAO Ltd. mit dem Aircraft and Scenery Designer (A&SD) das professionelle Werkzeug zur Entwicklung von Flugzeugmodellen lieferte. Leider stand mir in dieser Phase nicht so viel Zeit für den Simulator zur Verfügung, so dass ich ca. 2 Jahre Flug-Pause einlegen musste.
Doch mit dem Erscheinen des FS. 5.1 im Jahr 1995 ( V.5.0 1993) war mein Interesse wieder erwacht. Endlich hatte der Simulator ein realistisches Koordinatensystem, womit richtige Navigation möglich wurde. Mit dem FS5 habe ich über die zweimotorigen Propeller-Flugzeuge bald auch zu den großen Jets gefunden. Doch irgend wie machte mir das stundenlange Abnudeln des Flugplans mit dem Autopiloten nie so richtig Spaß. Immer wieder fasziniert hat mich dagegen das Fliegen von kräftigen Oldtimern wie der Stearman in der 450 Ps Version oder von STOL-Fliegern wie dem Fieseler Storch.
1996 folgte entsprechend der MS-Betriebssysteme-Strategie der MS-FS 6 der als „FS für Windows“ vetrieben wurde und weitere Verbesserungen enthielt. Kurz vor dem Erscheinen hatte Microsoft BAO Ltd. gekauft und die weitere Entwicklung übernommen. Die Firma Sublogic wurde zur gleichen Zeit von Sierra übernommen, um den Flugsimulator Pro Flight zu entwickeln. Wegen der zusätzlichen Last durch das Betriebssystem Windows 95 brachte der neue FS manchen PC an seine Leistungsgrenzen.
Aber bereits 1997 hat bei mir wieder alles gepasst. Aktuelle Hardware und der legendäre FS98 (FS 6.1) lösten eine neue Phase der Begeisterung bei mir aus. Viel Geld floss in Literatur, Addons, Besuch von Flugshows und einige Charterflüge. Besseres Informationsmaterial, Luftfahrtkarten, Handbücher etc. erlaubten den Simulatorflug unter immer realistischer werdenden Bedingungen durch zu führen. Die FS-Community war inzwischen enorm gewachsen und es standen unzählige Flugzeuge und Flugplätze als Freeware zur Verfügung. Mit dem FS98 begann die goldene Zeit des FS und seiner Community.
Doch 1999 verärgerte MS die Gemeinschaft mit dem FS 7, der als FS2000 bezeichnet wurde. Viele Fehler und eine schlechte Performance brachten diese Version in Verruf. Auch ich habe den FS2000 nach der Installation nicht mehr benuzt; das FS98 Paket mit zahlreichen Addons war so nicht zu schlagen. Obwohl ein Update im März 2000 die meisten Fehler behob, konnte der FS2000 bei mir und vielen anderen PC-Piloten nicht mehr überzeugen.
Erst der FS2002 / FS 8 konnte mich 2001 wieder richtig begeistern. Echte Weiterentwicklungen wie autogen Elemente, verbesserte Meshs und das virtuelle Cockpit brachten neuen Spaß in die Simulation. Für mich war der FS2002 ein gewisser Höhepunkt im FS. Ganz Deutschland war mit den German Airports ausgerüstet und wurde von mir mit den ATRs und der A319 von German Wings abgeklappert; Mit dem FlightCommander wurden Flugpläne erstellet und mit FSUiPC die Pedale kalibriert – und wenn mal was nicht wollte wie es sollte, einfach im FSForum posten und auf eine Antwort warten. Sogar ein deutsches Monats-Magazin für den Flusi hatte sich etabliert. Eine Super-Simulator Zeit war das!
Bereits 2003 folgte mit dem FS2004 (FS9) “A Century of Flight” der wohl erfolgreichste Flugsimulator von Microsoft, der ganz im Zeichen des 100järigen Geburtstags des Motorflugs stand. Diese Version enthielt deshalb zahlreiche Oldtimer und Meilensteine der Luftfahrt, wie den Wright Flyer , die Curtiss Jenny oder die DC2. Leider musste dafür die bewährte Cessna 182 RG entfallen, die so viele Flugstunden bei mir gedient hat.
Hilfreich war auch eine gewisse Kompatibilität zu FS8, die erlaubte viele Addons weiter zu verwenden. Die Systemtiefe mancher Airliner zum FS98 nimmt Formen an, die ich als nicht mehr von einer Person handhabbar erachte. Ich habe auch keine Lust mehr, zuerst 200 Seiten Manual zu studieren um das Licht im Jet anzuknipsen oder erst 20 Minuten lang den Flight-Computer zu füttern, um nachher stundenlang auf einem Strich über den Atlantik zu bolzen. Aber Respekt vor jedem der so was beherrscht und Freude daran hat. Für mich ist mit dem FS98 auch Schluss mit den Jets und Airlinern.
Im Oktober 2006 veröffentlichte MS den wahrscheinlich letzten MS-Flugsimulator den FSX (FS10). Bei den zahlreichen Verbesserungen dieser Version, war ein entsprechender Leistungsbedarf zu erwarten. Wie oft zuvor war die Entwicklung des FS dem Stand der verbreiteten Hardware um etwa 18 Monate voraus. Natürlich waren dadurch zahlreiche Nutzer vom FSX zuerst enttäuscht. Da inzwischen zwei Service-Pacs erschienen sind und leistungsfähigere Hardware verbreiteter ist, hat die Kritik etwas nachgelassen. Letztlich zeigt die Qualität der aktuellen Addons die Vorzüge des neuen Simulators, der sich deshalb auf Dauer auch durchsetzen wird.
Inzwischen sollte bei objektiver Betrachtung unstrittig sein, dass der FSX besonders für Sichtflieger der beste FS seit 30 Jahren ist. Das Microsoft Anfang 2009 die Weiterentwicklung des FS eingestellt hat, wird inzwischen in der Szene allgemein als fruchtbar für die Flugsimulation angesehen. Verschiedene neue Flugsimulatoren sind angekündigt. Der alternative Flugsimulator Xplane wird ständig verbessert und die Addon-Entwicklung hat ein nie gekanntes Niveau erreicht.
Auch wenn mich manchmal ein Ausflug nach Australien oder Alaska reizt, habe ich meine Ecke der Welt gefunden, die Alpen. Wie auch in der Welt der realen Fliegerei ist die Gebirgsfliegerei auch im Simulator etwas ganz besonderes. Wer keinen Spaß mehr an Dickschiffen hat und dem normaler VFR-Flug zu langweilig ist, kann es ja mal mit einer Landung auf einem Altiport versuchen.
Zum Schluß möchte ich deshalb noch mal den Ausspruch von Henri Giraud wiederholen
„Der Unterschied zwischen einem normalen Piloten und einem Gebirgspiloten ist wie jener zwischen einem Schaf und einer Gemse“ (Il y a autant de différence entre un pilote de plaine et un pilote de montagne qu’entre un mouton et un chamois…et n’est pas chamois qui veut…! ) Dieser Ausspruch stammt von dem berühmten Gebirgspiloten Henri Giraud, der mit 40.000 Flugstunden und rund 100.000 Landungen in den Bergen eine echte Gebirgsfliegerlegende ist.
Ich bin gespannt, wie es jetzt ohne Microsoft für die Flugsimulation weiter geht. Aber ich bin sicher, dass mein Interesse am Simulatorflug noch eine ganze Weile anhält. Es würde mich freuen, wenn Ihr Hin und Wieder dieses Blog besucht und mit mir weiter durch die Berge fliegt.
Euer Mak
Anmerkung: Natürlich meine ich damit den ersten Flugsimulator für PC, denn es gab bereits früher erste Ansätze von Flugsimulation. Bereits 1929 entwickelte der amerikanische Mechaniker Edwin Link den ersten Flugsimulator. Siehe dazu im Web: space-island.com oder proflight.com.
Weitere Links zur Flugsimulator-Geschichte findet Ihr in meinem Artikel: 30 Jahre FS