mit 65 PS über die Alpen (Teil 2)

Piper Cub über Salzburg

Piper Cub über Salzburg

In den letzten Wochen sorgt die Neuerscheinung einer “Piper Cub” von A2A-Simulations und das entsprechende Zusatzpaket AccuSim für Begeisterung in der Flusiszene. Auch ich muss mich dieser Begeisterung anschließen, auch wenn ich noch Probleme mit Paket habe. Die A2A Cub mit AccuSim ist das realistischste VFR-Flugzeug, das ich je im MS-Flugsimulator erlebt habe! Am 17.10.09 hat Urs (malony) in der Buschflieger-Kneipe Westwood-Inn ein erstklassiges Review dazu eingestellt, das Ihr unbedingt lesen solltet.

Auch ich habe die Cub “Wings of Silver” in meinen Hangar gestellt. Nach den ersten Runden mit der Cub, ergab sich die Frage, “Wie fliegt sich das 65 PS Motörchen im Gebirge? Kann man mit dem Ultraleichtgewicht die Alpen überqueren?” Im ersten Teil dieses Berichts habe ich die Vorbereitungen des Testfluges bis zum Start in Salzburg beschrieben. Und jetzt geht es endlich weiter.

Nach dem Start bin ich nach links in die vorgeschriebene Platzrunde eingeflogen und habe die Cub für den Steigflug konfiguriert. Und wie die Cub klettert! Natürlich kann sie auch mit weniger als 500kg Gesamtgewicht nicht so steigen wie zB. meine ACA Scout, die ja auch fast 85 Pferde mehr unter der Haube hat. Aber ohne Mühe geht es mit mehr als 500 ft/min hinauf.

Im Salzachtal vor Hallein

Im Salzachtal vor Hallein

Unten im Salzachtal erkenne ich die Stadt Hallein. Der Baedecker schreibt, dass hier bereits vor 2700 Jahren Salz abgebaut wurde. Aus Gründen des Lärmschutzes meide ich die Stadt und folge den Kontrollpunkten Sierra 2 und Sierra 1. Ich melde der ATC das Verlassen der Kontrollzone Salzburg und steige weiter.

Schnell sind 4000 ft erreicht. Dass man mit diesem Motor besonders realistisch umgehen muss, habe ich schon im ersten Teil berichtet. Also ist stundenlanges Vollgas fliegen ohne Drehzahl und Öltemperatur zu beachten, wie bei den meisten FS-Fliegern, ist nicht mehr möglich. Wie in der Realität quittiert der Motor bei längerem Überdrehen oder bei mangelhafter Schmierung (Öltemperatur) qualmend und stotternd den Dienst. So habe ich mir Flugsimulation schon lange gewünscht!

Ich werfe einen Blick aus dem rechten Fenster auf die Berchtesgadener Alpen und die Bundesstraße 305. Die Detailgenauigkeit der Szenerie VFR-Germany 3 entschädigt für die grün stichige Darstellung. Über das Problem habe ich bereits an anderer Stelle berichtet („Flug über die grüne Grenze“). Mich stört es inzwischen gar nicht mehr.

Voraus steht auf ca. 5000 ft eine lockere Wolkendecke und verdeckt etwas die Sicht auf das Tennengebirge. Ich steige weiter und folge der Salzach beim Durchbruch zwischen Hagen- und Tennengebirge. Durch die Salzach und die Autobahn ist mein Weg deutlich gekennzeichnet. Bereits nach wenigen Minuten Flug sind 8000 ft Höhe erreicht. So dürfte das Überfliegen des Tauern kein Problem darstellen. Rechts unten kann ich gut das breite Salzachtal erkennen, das Richtung Zell am See nach rechts abbiegt. Ich habe aber einen anderen Weg gewählt und biege nach Süd-Ost Richtung Radstätter Tauern ab. Von hier oben sieht man links auf das mächtige Dachsteingebirge, das teilweise bereits in der Steiermark liegt. Ich fliege jetzt über eines der beliebtesten Wintersportgebiete Österreichs. Bisher ein völlig problemloser Flug.

Ich folge nicht weiter der Autobahn, sondern orientiere mich an der alten Tauernpassstrasse, die das Salzburgerland mit Kärnten verbindet. Die erforderliche Höhe von 7600 ft ist bereits 3000 ft überschritten und die Cub steigt immer noch. Nach einige weiteren Minuten im Steigflug bin ich auf 12000 ft angelangt. So stellt für diese Cub die Überquerung des Alpenkamms kein Problem dar. “der” Piper, wie die Kollegen in der Schweiz sagen, ist voll “alpentauglich”! Mir erscheint die Steigleistung zwar etwas unrealistisch für 65 PS Motorleistung. Dieser Frage werde ich noch genauer nachgehen. Aber ohne jede Frage macht es richtig Spaß, mit dem kleinen Leichtgewicht durch die enge Alpentäler zu fliegen und sich an kleine Altiports zu versuchen.

Cub über dem Tauern

Cub über dem Tauern

Es wird Zeit wieder Höhe abzubauen. Gas rausnehmen , Vergaserheizung einschalten und auf eine Geschwindigkeit von 70 mp/h austrimmen. Jetzt geht es rasant mit 900 ft/min abwärts. Bei einem Blick aus dem rechten Fenster kann ich die Tauernautobahn erkennen, die den Tauerntunnel wieder verlassen hat.

Ich nutze den Sinkflug, mir die vielen verschiedenen Außenansichten anzuschauen. A2A hat ungewöhnlich viele Kameraperspektiven eingerichtet, so dass man die Cub aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten kann. Von allen Seiten bietet sich ein erstklassig gemachtes Flugzeug. Doch ich nähere mich bereits dem Tal der Drau, in das ich Richtung Villach-Klagenfurt einschwenken will.

Unten kann ich bereits den Millstätter See erkennen. Der See, der auch „Sonnenregion Kärntens“ genannt wird, kann bis zu 26°C Wassertemperatur erreichen. Doch plötzlich werde ich aus meinen angenehmen Gedanken von Badeurlaub heraus gerissen. Mein Magen krampft sich zusammen. Ich Blindschleiche habe mir bisher keinen Gedanken über den Sprit gemacht. Der Messstab steht unübersehbar vor mir auf der Cowling und zeigt deutlich, dass nur noch ein Rest Treibstoff im Tank ist.

In monatelanger Gewohnheit auf anderen Flugzeugen hat sich festgesetzt, dass ich mit halber Tankfüllung problemlos 200 und mehr Meilen fliegen kann. Ohne konkrete Verbrauchsberechnung, also ohne vollständige Flugplanung, habe ich diesen Flug aufgenommen. Eine typische Simulatornachlässigkeit, die in der Realität völlig verantwortungslos und lebensgefährlich wäre. Dazu wollte ich ja auch noch besonders schlau sein und habe nur unvollständig aufgetankt, um Gewicht zu sparen. Also kein Ruhmesblatt für meine Pilotenkarriere.

Aber jetzt sind keine Ausreden gefragt. Aus guter Gewohnheit (die gibt es ja auch) habe ich vor dem Flug Ausweichplätze ausgesucht und die entsprechenden AIP-Charts mit zu den Flugkarten gelegt. Der nächste Flugplatz ist Nötsch (LOKN) im Gailtal. Also breche ich den Sinkflug in das Drautal ab und drehe nach Süden, um die Gailtaler-Alpen zu überqueren.

Nötsch in Sicht

Nötsch in Sicht

Nötsch liegt im Dreiländereck nur wenige Kilometer von den Grenzen zu Slowenien und Italien. Der Flugplatz liegt auf 1800 ft Höhe und besitzt eine über 700 Meter lange Grassbahn. Nur noch wenige Flugminuten, aber reicht der Sprit noch aus? Der Motor blubbert friedlich vor sich hin.

Die Gailtaleralpen sind endlich auch überflogen und ich drehe Richtung Ost in das Gailtal. Schon kann ich voraus die Grasbahn 27 von Nötsch erkennen. Schon vor einigen Minuten habe ich dem Kontroller meinen Anflug und mein Treibstoffproblem gemeldet und die Erlaubnis zur direkten Landung erhalten. Also jetzt nur noch runter mit der Kiste.

Aber jetzt fehlt natürlich die Routine auf dem Modell. Trotz aller Mühe kann ich mit dem Flieger nicht schnell genug Höhe abbauen. Auch das noch! Durchstarten und ein neuer Anflug - hoffentlich reicht es dazu auch noch. Vorsichtig auf 2800 ft Platzrundenhöhe zurück und im Gegenanflug austrimmen - jetzt muss es klappen. Langsam sinkt die Cub mit 60 mp/h im Final der 09 entgegen. Dann ein kurzer Ruck und alle drei Räder des Fahrwerks berühren den Boden. Jetzt noch vorsichtig abbremsen, um nicht den Propeller zu zerstören oder gar den ganzen Apparat auf den Kopf zu stellen. Langsam rolle ich auf einen Abstellplatz. Nach Abstellen des Motors bemerke ich erst meine ganze Anspannung. Noch minutenlang starre ich auf den Peilstab auf der Cowling. Der Tank ist leer!

Tank leer!

Tank leer!

Natürlich passiert Euch so was nie, denn Ihr erstellt vor jedem Flug einen vollständigen Flugplan mit Gewichts- und Verbrauchsberechnungen.

Viel Spaß bei der Flugplanung
mak

p.s.: Alle Bilder zum Flug findet Ihr im Abschnitt “Galerie” unter Flug 3.

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