Fliegen im Gebirge (1)
„Der Unterschied zwischen einem normalen Piloten und einem Gebirgspiloten ist wie jener zwischen einem Schaf und einer Gemse“ (Il y a autant de différence entre un pilote de plaine et un pilote de montagne qu’entre un mouton et un chamois…et n’est pas chamois qui veut…! ) flight-system.com Dieser Ausspruch stammt von dem berühmten Gebirgspiloten Henri Giraud, der mit 40.000 Flugstunden und rund 100.000 Landungen in den Bergen eine echte Gebirgsfliegerlegende ist.
Im Flugsimulator sieht die Sache doch zunächst ganz einfach aus. Im Flachland fliegen oder in den Bergen, wo soll da der große Unterschied sein? So sieht es auch manch stolzer Besitzer einer PPL. Obwohl erst wenige VFR-Flugstunden im Flugbuch stehen, stöbert er im Internet nach einer Möglichkeit, eine Maschine für einen Alpenflug zu chartern.
Doch was für ein langes Gesicht, als er bei einer Anfrage erfahren muss, dass aus seinem Soloflug nichts wird. Denn kein verantwortungsbewusster Halter wird einem solchem Frischling eine Maschine zum Flug in die Berge ausleihen. Denn eine PPL reicht nicht zum Gebirgsflug.
Da wir in Deutschland keine Hochgebirgs-Flugplätze haben, sieht die Gesetzgebung auch kein spezielles Gebirgsflug-Rating vor. Um aber in der Praxis in alpinem Gelände landen und starten zu dürfen, ist eine Gebirgsflug-Einweisung erforderlich und sinnvoll. In Frankreich gibt es zB. ein dreistufiges Mountain Pilot Rating. Im französischen AIP (Luftfahrthandbuch) sind Gebirgsflugplätze als „Mountain Airfield“ (Altiport) besonders gekennzeichnet. Ein Beispiel: Die VFR-Karte vom berühmten Courchevel LFLJ (6580 ft) trägt den Vermerk: mountain licensed Pilot, der Flugplatz darf also von Besitzern einer PPL-N nicht genutzt werden.
Die erste Stufe der Gebirgsflugeinweisung, die Autorisation berechtigt nur zur Nutzung des jeweiligen Altiports. Diese wird nach zwei bis fünf Flugstunden mit Instruktor ins Flugbuch eingetragen und gilt für sechs Monate. Als nächste Stufe folgt das „Mountain Pilot Rating Wheel“. Nur Piloten mit mindestens 200 Stunden Spornraderfahrung werden zu dem Kurs zugelassen, der 15 bis 20 Flug-Stunden erfordert. Nach erfolgreicher Prüfung erteilt die französische Luftfahrtbehörde DGAC das Mountain-Rating auf Lebenszeit. Die höchsten Weihen der Bergfliegerei gibt es mit dem „Moutain Pilot Rating Ski“, nach weiteren 10 Flugstunden und bestandenem Prüfungsflug. Nach einer solchen Ausbildung darf man sich dann mit Recht „Gebirgs-Pilot“ nennen.
In der realen Praxis sind die Gebirgspiloten ein kleiner Kreis ausgewiesener Spezialisten, die sich zum großen Teil untereinander kennen und in der EMP (Europian Mountain Pilots) einen exklusiven Club bilden. In der schweizer Division „legt man noch einen drauf „ und betreibt neben dem Gebirgsflug die Königsdisziplin, den Gletscherflug. Landen und Starten auf Hochgebirgs-Gletschern ist in der Realität wie im Flusi eine der spektakulärsten und anspruchsvollsten Disziplinen der Fliegerei. Es hat schon einige Übungsstunden gedauert, bis meine erste Gletscherlandung gelungen ist. Wie viele Flieger ich dabei im Schnee versenkt habe, will ich lieber nicht verraten.(Auch mit dem Gletscherfliegen werde ich mich in einem der folgenden Artikeln näher beschäftigen.)
Im nächsten Artikel zum Gebirgs-Flug werde ich die besonderen Schwierigkeiten und Anforderungen des Fliegens im Hochgebirge näher erläutern. Diese Tipps sollen Euch helfen, den langen Weg zum sicheren FS-Mountain-Pilot zu meistern.
Hier noch ein paar Links zur Vertiefung in das Thema:
- Deutsche Gebirgs Piloten Vereinigung
- Europian Mountain Pilots
- österreichische Gebirgspilotenvereinigung
- Schweizerische Gebirgs Piloten Vereinigung
- STOL CH 701
- Das Buch: Gebirgsflug
- Das Magazin: Mountain Pilot
Wer jetzt noch immer nicht der Faszination des Alpenfliegens erlegen ist, sollte sich die folgenden Bilder ansehen : www.kizoa.com. Wer jetzt immer noch nicht begeistert ist, ist wohl ein echter Flachländer und sollte besser zu Hause bleiben..
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Gipfelsturm,
Euer
mak
Tags: Courchevel, DGPV, Gebirgs-Pilot, Mountain Pilot Rating


15. April 2010 um 22:41
[...] ich im Artikel “Fliegen im Gebirge (1)” beschrieben habe bilden die Gebirgspiloten in der Realität eine kleine Gruppe Spezialisten, die [...]