Im Jungfraugebiet

Die Schweiz ist im Flugsimulator (FS98/FSX) ein ganz spektakuläres Fluggebiet, das bei vielen VFR-Piloten besonders beliebt ist. Durch den Einsatz von Scenerie-AddOns und Meshs (Höhenmodelle) lässt sich die imposante Bergkulisse noch deutlich verbessern. Den Höhepunkt an Realitätstreue bietet die wohl z.Zt. beste FS-VFR-Scenery „Switzerland Professional”. ( flylogic-software und Review: simflight.de)

Wie schon an anderer Stelle beschrieben, handelt es sich um eine hoch detaillierte Sichtflugszenerie auf der Basis von Luftbildern, kombiniert mit einem sehr exakten Höhenmodell(Mesh) und mit ca. 800 Landmarks. Der ungewöhnlich hohe Preis des AddOns ist schnell vergessen, hat man erst die Qualität des Produkts erlebt. In der Schweiz VFR zu fliegen ist zum echten Erlebnis geworden. Für eingeborene Eidgenossen muss „Switzerland Proffesional” der echte Wahnsinn sein. Seit ich diese Scenery installiert habe, bin ich Flachländer total in die Alpenberge verliebt und bin zum Alpenflieger mutiert.

Bild 0: Eiger, Mönch und Jungfrau

Bild 0: Eiger, Mönch und Jungfrau (c)

Ein ganz besonderes spektakuläres Gebiet der Schweiz ist die Junfrauregion, die als Inbegriff der Schweiz als Tourismusland gelten kann. Inmitten des Berner Oberlands zwischen Thunersee und Brienzer See liegt das idyllische Städtchen Interlaken. Von hier aus hat man Zugang zum Jungfrau-Massiv mit Eiger (3970 m), Mönch (4107 m) und Jungfrau (4158 m). Hier findet man tief eingeschnittene Täler mit senkrechten Felswänden, tosenden Wasserfällen und leuchtend grüne Wiesen. Nicht ohne Grund liegen hier auch die Anfänge des Tourismus in der Schweiz.

Interlaken ist mit seinem Flugplatz für PC-Piloten ein optimaler Ausgangspunkt für Flüge in die Jungfrauregion. In meinem Flugbuch ist Interlaken sogar der meist genutzte Airport. In der Realität war Interlaken ein militärischer Flugplatz, der aber schon seit 2003 nicht mehr vom Militär genutzt wird. Eine fliegerische Nutzung des Flugplatzes, der heute hauptsächlich für Großveranstaltungen, wie Musikfestivals verwendet wird, ist immer noch möglich. Dazu muss aber vom Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL eine Aussenlandebewilligung erteilt werden. Bei einer entsprechenden Gebühr ist in der Schweiz so manches möglich, besonders für VIPs.

Mein Onkel Herrmann aus Nuckelburg, Alabama,USA glaubt auch ein VIP zu sein. Mit seinen Dollars hat er tatsächlich eine Erlaubnis für einen Start und eine Landung organisiert. Und ich, sein Lieblingsneffe, soll nun Onkel H. Zum „Top of Europe“ fliegen.

Der folgende Rundflug ins Berner Oberland zeigt eines der grandiosesten Alpengebiete, das nicht ohne Grund von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen worden ist. Die AddOn-Szenerie ist so realistisch, dass man besser mit einer Strassenkarte, als mit einer VFR-Karte fliegt, denn jedes kleine Örtchen ist erkennbar nachgebildet.

Für diesen Flug wähle ich wieder meinen Favoriten die ACA Scout. Da die Berge zum Teil über 4000 m hoch sind, sollte die Scout mit einer angegebenen Dienstgipfelhöhe von 17.000 ft uns gut über die Berge bringen.

Bild 1: fertig zum Start

Bild 1: fertig zum Start

Alle Vorbereitungen zum Flug sind bereits erledigt. Nach gründlichem Außencheck wurde der Motor gestartet und bei 1000 U/min auf Betriebstemperatur gebracht. Die Kontrollen sind besonders gründlich durchgeführt worden, denn im Gebirge fehlt meist eine Möglichkeit zur Notlandung. Motor- und Systemfehler beenden deshalb im Gebirge leicht die Laufbahn von Pilot und Flieger.

Aber wir sind optimal vorbereitet und die Maschine ist im besten Zustand. Wir stehen auf der Startbahn in Interlaken, fertig zum Start und freuen uns auf den kommenden Flug. Da es in Interlaken keinen regulären Flugbetrieb mehr gibt, müssen wir keine Starterlaubnis einholen. Auf geht`s. Benzinpumpe und Landelicht einschalten. Mit Gefühl das Gas bis zum Anschlag vorschieben und mit dem Seitenruder die auftretenden Querkräfte ausgleichen, bei 40 ktn leicht das Steuer drücken, damit das Heck abhebt und bei ca. 60 ktn durch Ziehen des Steuerhorns die Schnauze leicht hoch ziehen und abheben. Jetzt fliegt der Vogel und ich lasse ihn ohne Steigen etwas Geschwindigkeit aufholen. Bei ca. 80 ktn ziehe ich kräftig am Horn und gehe in den Steigflug über.

Bild 3: Steigflug über dem Brienzer See

Bild 3: Steigflug über dem Brienzer See

Mein Passagier schaut bereits suchend nach den Tüten, denn eine Steigrate von um die 1000 ft/min scheint nichts für seinen Magen zu sein. Heute sitzt Onkel Herrmann zum ersten Mal in so einer kleinen Einmot. Mehr um meinen Motor zu schonen als seinen Magen, nehme ich die Leistung etwas zurück. Wir wollen zwar schnell hoch hinaus, aber dabei soll nicht gleich der Motor zerlegt werden. Mit 800 ft/min geht es hinauf über den Brienzer See. Unten links am Seeufer kann man deutlich die Ortschaft Ringgenberg erkennen (Bild 3).

Schon nach wenigen Minuten sind wir auf über 5000 ft und müssen das Gemisch leanen (abmagern). Der Klang des Motors hilft mir dabei mehr als das EGT-Instrument, denn bei richtigem Gemisch läuft der Motor satt und rund. Vor uns im Aare-Tal kann man bereits das Ende des Sees und den Flugplatz von Meiringen erkennen.

Bild 10: große Scheidegg mit Eiger, Mönch und Jungfrau

Bild 10: kleine Scheidegg mit Eiger, Mönch und Jungfrau

Über Meiringen habe ich bereits 7800 ft erreicht und drehe langsam rechts, nach Nordwest ab in das Rosenlaui-Tal. Hier findet man viele Attraktionen, wie die Reichenbachfälle, die große Scheidegg und Grindelwald. Das Gebiet ist von spektakulären Seil- und Eisenbahnen durchzogen, die atemberaubende Steigungen von bis zu 25% überwinden, um die Berge zu erklimmen.

Das Tal wird von den drei großen Gipfeln Eiger (3970 m), Mönch (4107 m) und Jungfrau ( 4158 m ) beherrscht. Auf der kleinen Scheidegg (2061 m) stehen noch immer die beiden Hotels aus der Anfangszeit des schweizer Tourismus, Bellvue (1841) und Des Alpes (1896). Von hier aus startet auch die berühmte Jungfraubahn, die bis zum höchsten Bahnhof Europas auf dem Junfraujoch fährt.

Inzwischen ist die Scout brav auf über 9000 ft geklettert und die Luft wird langsam auch für uns Menschen dünn. Eine kleine Sauerstoffflasche mit Reduzierventiel und Maske behebt schnell alle Atemnot meines Begleiters, aber erst über 12.000 ft wird es auch wirklich dünn für mich. (Als Alpenflieger werde ich mich in einem der folgenden Artikel näher mit dem Sauerstoffproblem beschäftigen.)

Karte zu Bild 10

Karte zu Bild 10

Plötzlich verändert sich der Klang des Motors mit einem leichten Knall. Bei aller Routine fährt auch mir ein gewaltiger Schreck in die Glieder. Jetzt einen Motoraussetzer! Doch nichts weiter passiert. Die Kontrolle aller Instrumente zeigt keinerlei Veränderung. Alles im grünen Bereich. Fluglage und Geschwindigkeit sind konstant und der Motor läuft ruhig, wenn auch mit etwas verändertem Klang. Mein Mitflieger hat gar nichts bemerkt und schaut fasziniert auf die Steilwände der Eigerwand.

Nach ein paar Minuten hat sich mein Herzschlag wieder beruhigt. Vielleicht ist nur eine Auspuffdichtung geplatzt? Die erforderliche Aufmerksamkeit für den Flug verdrängt den Vorfall langsam, aber ich mache mir schnell eine Notiz für die Wartung am Boden. Nach wenigen Minuten haben wir 10.000 ft erreicht und können rechts unten das Lütschental und den Männlichen (2343 m) erkennen.

Wir steigen weiter und erreichen unterhalb der Jungfrau, die imposant links vor uns steht, 12.000 ft. Mit noch immer über 400 ft/min Steigrate klettert die Scout weiter hinauf. Natürlich habe ich schon lange den Gashebel wieder voll hochgezogen und das Gemisch stark abgemagert, denn hier oben brauche ich die volle Leistung, um weiter zu steigen.

Bild 21: Laterbrunnental mit Kalkfelsen

Bild 21: Lauterbrunnental mit Kalkfelsen

Unter uns liegt das Lauterbrunnental Bild (21), das tiefste Trogtal der Welt mit seinen 500 Meter hohen Kalkwänden und spektakulären Wasserfällen. Die Sehenswürdigkeiten dieses Tales, wie Staubachfall und Trümmelbachfälle oder die Orte Mürren, Wengen und Lauterbrunnen sind weltbekannt. Aber ich muss meinen Blick nach links richten. An der Jungfrau vorbei sind wir mit den erreichten 13200 ft hoch genug, um nach links auf Kurs 90 abzudrehen. Nach wenigen Minuten stehen sichere 14.000 ft auf dem Höhenmesser und im rechten Fenster sehen wir das Aletschhorn.(4195 m) gut 200 ft unter uns.

Wir haben jetzt den höchsten Punkt unseres Fluges erreicht. Ich drehe auf ca. 220 Süd-Ost Richtung Rhonetal. Onkel Herrmann hinter mir, der glaubte, bereits die spektakulärsten Bilder des Fluges gesehen zu haben, läßt die Kinnlade runterklappen wie ein Nußknacker, als sein Blick nach unten fällt. Aber welch ein Anblick! Der große Aletschgletscher liegt wie ein versteinerter Fluss unter uns. Auch ich staune immer wieder über diesen gewaltigen Anblick. 85 qkm Eis, 23 km lang; am berühmten Konkordiaplatz (2850 m)., ganz in unserer Nähe ist das Eis etwa 900 Meter dick!

Bild 25: über dem Aletschgletscher

Bild 25: über dem Aletschgletscher

„Es gibt Kollegen, die machen sich einen Spaß daraus, auf dem Gletscher zu landen“ erkläre ich. „Sollen wir das gleich mal versuchen?“ frage ich, aber Onkel Herrmanns Nerven sind für heute schon genug gefordert, versichert er. Dass ich ja gar keine Ski unter den Rädern habe und unseren Frischling nur etwas foppen wollte, hat er in der Aufregung gar nicht bemerkt. Auf das Thema “Gletscher-Fliegen” komme ich aber bestimmt in einem späteren Artikel zurück.

Noch ein Stück über den Gletscher und dann runter in das Rhonetal. Ein kurzer Blick auf die Karte werfen und die Checkliste für den Sinkflug abarbeiten. Dann das Gas zurücknehmen und mit gemütlichen 500 ft/min abwärts; wir wollen ja Onkel H´s Magen schonen. Über dem Rhonetal sind wir bereits wieder auf 11.000 ft und können voraus den Flugplatz Münster (LSPU) erkennen, der auf 4300 ft Höhe liegt.

Bild 33: Grimselpass, Rhonegletscher und Furkastrasse

Bild 33: Grimselpass, Rhonegletscher und Furkastrasse

Nur 2 Minuten später sehen wir vor uns den Grimselpass (2165 m), den Rhone Gletscher (voraus) und die Furka-Strasse, eine prächtige Aussicht, die in vielen Reiseführern wiederzufinden ist. (Bild 33) Wir folgen dem Grimselpass und entecken links den Unteraargletscher, der in den Grimselsee fließt. Auf der rechten Seite sehen wir Rhonegletscher und Dammastock. Es fällt schwer, angesichts dieser spektakulären Bilder noch konzentriert zu fliegen und alle Instrumente zu überwachen. Von Onkel Herrman, dessen Mundwerk sonst selten still steht, hört man nichts mehr – er ist einfach überwältigt.

Jetzt geht es zurück nach Interlaken. Vor uns liegt das Haslital, zu dem es auch Vieles zu berichten gibt, aber es wird Zeit, zum Ende zu kommen. Nur noch wenige Meilen und wir sind wieder über Meiringen und drehen in Richtung Brienzer-See leicht nach links. Auf 6000 ft gebe ich etwas Gas, um den Sinkflug auf ca. 200 ft/min zu verlangsamen, denn bei etwa 10 nm Flugweg kommen ich sonst zu tief.

Bild 47: Endanflug auf Interlaken

Bild 47: Endanflug auf Interlaken

Da für Interlaken keine Flugkarten und Flugverfahren mehr veröffentlicht sind, gibt es auch keine vorgeschriebene Platzrunde mehr. So gehe ich in den direkten Anflug (Bild 47) . Die letzten 3000 ft fliege ich mit 65 ktn bei 500 ft/min Sinkgeschwindigkeit, ausgetrimmt, brauche ich zur Landung keine Klappen. Im Endanflug Landelampen an, Mixture rich, Prop full-fine, Benzinpumpe an und etwas nachgetrimmt. Sauber wie ein Aufzug surrt die Scout in Richtung der Bahn und ist mit gefühlvollem Tritt in das linke Seitenruder gut auf Kurs zu halten.

Im Flare (Ausschweben) auf ca 30 ft über Grund ziehe ich leicht am Steuerhorn, damit der Flieger die Nase zu einer Dreipunktlandung hoch nimmt - und schon sind wir wieder unten. Beim Ausrollen höre ich Onkel Herrman deutlich Luft ablassen – hier scheint einer sehr froh, wieder auf der Erde zu sein. „Na wie war`s?“ frage ich. „Great, super, sublime, aber das nächste Mal nicht wieder in so einer kleinen Zigarrenkiste“. Die Scout ist jetzt sicher eingeschnappt – aber am liebsten fliege ich sie ja so wie so alleine. Na ja, so ein Erbonkel darf schon mal unwidersprochen argen Unsinn erzählen. Meiner Vorliebe für die Scout tut das keinen Abbruch.

Euer

mak

p.s.:Wir werden sicher noch häufiger in dieser fantastischen Gegend fliegen!

Hinweis: Bild (0):
Copyright©2007-2008 foto-schweiz

Hier noch einige Links zum Artikel:

  1. Jungfrauregion
  2. Mürren
  3. Grindelwald
  4. Lauterbrunnen
  5. Interlaken

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Eine Antwort zu “Im Jungfraugebiet”

  1. Robert Talaj sagt:

    Hallo Manfred!

    Toller Bericht, grosse Klasse! Ich bin selbst ein großer Schweiz-Liebhaber und kenne die Gegend inzwischen auch recht gut. Erst im Juni war ich mit meiner Frau und einem befreundeten Ehepaar beim Wandern. Am Fuße des Dreigestirns Eiger, Mönch und Jungfrau. Großartig! Ich bin über die alljährliche Fliegerdemonstration auf der Axalp in dieses Gebiet gekommen. Auch dieses Jahr geht’s wieder hinauf auf 2.250 Meter, um der Schweizer Luftwaffe bei ihrer einzigartigen Vorführung zuzusehen und zu hören.

    Schau einfach mal auf meine Website. Vielleicht können wir ja mal gemeinsam ein Onlineflügchen in der schönen Schweiz unternehmen.

    Bis dahin mit Fliegergrüssen

    Robert

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