Fliegen im Gebirge (2)

vor dem Kanderfirst

vor dem Kanderfirst

Bereits im ersten Teil „Fliegen im Gebirge (1)“ habe ich darauf hingewiesen, dass sich der Gebirgsflug in wesentlichen Dingen vom normalen VFR-Flug im Flachland unterscheidet. Unbedingt erforderlich für den Gebirgsflug ist eine gründliche Einweisung und Vorbereitung. In der Schweiz und in Frankreich ist für die Nutzung bestimmter Gebirgsflugplätze eine besondere Ausbildung erforderlich (Mountain Pilot Rating). Hinweis: auf dem Gletscherflug-Newsbord könnt Ihr die neusten EASA-FCL 815 Richtlinien zum Mountain Rating herunterladen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch an das Negativ-Beispiel aus dem Artikel „So nicht, Ende eines Schafes“ erinnern, wo eine typische Fehleinschätzung zum Absturz führt. Leider scheint der Alpenflieger nicht viel dazu gelernt zu haben. Denn beim letzten Flug von Sion nach Reichenbach habe ich mich erneut als schlechter Lehrmeister erwiesen.

Denn so überquert kein verantwortungsbewusster Pilot einen Bergkamm oder einen Pass! Gut, wenn Gebirgsexperten wie Fredy Wissel oder Hermann Geiger so geflogen sind, war das in Notsituationen und bei außerordentlicher Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten und ihres Fluggerätes vielleicht vertretbar. Aber Normalflieger sollten sich unbedingt an einige, lebenswichtige Regeln für die Überquerung von Pässen, Graten und Bergkämmen halten:

Um die tatsächliche Flughöhe zu kennen, wird in den Alpen generell mit der Höhenmessereinstellung QNH geflogen. Dabei muss aber noch die Abweichung von der Standarttemperatur berücksichtigt werden. (Für 5° Abweichung 5% Korrektur)

gf_2_3Man sollte nur in ein Tal einfliegen, wenn man bereits am Taleingang 1000 ft (bei Wind eher 2000 ft) über dem dahinter liegenden Pass fliegt. Obwohl man möglichst schnell Höhe gewinnen will, sollte man wegen der geringeren Motorkühlung Vx(max.Steigen) nur so lange beibehalten, bis das Hindernis überwunden ist.

Einen Pass , Grat oder Kamm sollte man immer im 45 Grad Winkel von der Seite überqueren, um ggf. leicht ins offene Tal zurückdrehen zu können. Dabei sollte Variometer und Höhenmesser bei der Annäherung stetig im Auge behalten werden, um bei abnehmender Höhe sofort umzudrehen. Bei der folgenden Umkehrkurve wie beim Talflug unbedingt berücksichtigen, dass der Kurvenradius bei zunehmender Geschwindigkeit quadratisch anwächst. (Mit der Umkehrkurve werde ich mich wegen der besonderen Bedeutung noch an anderer Stelle näher beschäftigen.)

Mein Flug über den Kanderfirst war also kein gutes Lehrbeispiel für einen ordentlichen Flug über den Alpenkamm. Aber im Flusi ist eben alles doch ein wenig einfacher und ohne Folgen. Da kann man auch Sachen anstellen, zu denen man in der Realität nie den Mut hätte. Wahrscheinlich würde mich der Schlag treffen real nur zwanzig Meter über dem Kanderfirst zu hängen. Aber das macht vielleicht auch ein bisschen den Spaß am Flusi aus.

Euer FS-Alpenflieger

p.s. Infos zu den Schweizer Gebirgspiloten Geiger und Wissel findet ihr im Blog Gletscherflug.

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