Notlandung im Gebirge II
Fliegen im Gebirge (4)
Im Artikel Notlandung im Gebirge vom Juli 2011 habe ich ausführlich von den Besonderheiten einer Notlandung im Gebirge berichtet. Dort habe ich auch bereits darauf hingewiesen, dass nach einer erfolgreichen Notlandung im Hochgebirge weitere lebensbedrohliche Probleme zu erwarten sind.
Im Gegensatz zu Notlandungen im Flachland befinden sich die Verunglückten im Hochgebirge in einer potentiell lebensfeindlichen Umgebung. Jetzt kommt es darauf an, bis zur Rettung zu überleben. Neben menschlichem Fehlverhalten (Leichtsinn, Selbstüberschätzung) drohen Gefahren durch Gletscherspalten, Eisbrücken, Lawinen, Steinschlag u.vm.
Diesen Gefahren kann man nur mit entsprechender Vorbereitung begegnen. Optimal ist dazu ein professionelles Überlebenstraining und eine vollständige Notausrüstung. Ein PC-Pilot oder VFR-Pilot, der bisher nur im Flachland geflogen ist, wird staunen, wenn er die lange Liste der empfohlenen Notausrüstung zum ersten mal sieht.
Natürlich ist die genaue Auswahl der Notausrüstung abhängig vom Gebiet, das überflogen werden soll. Ein Gebirgsflug über großen, unbewohnten und unwirtlichen Gebieten wie in Alaska erfordert eine andere Zusammenstellung der Ausrüstung, als ein Flug von Innsbruck nach Bozen. So ist für einen Flug in Alaska ein Gewehr vorgeschrieben, aber in Deutschland ist das Mitführen von Waffen absolut verboten.
Notfallausrüstung:
Kommunikationsmittel:
- ELT (Emergency Locator Transmitters)
- Handfunkgerät (121,5 MHz)
- Handy
- GPS
Kleidung:
- Mütze
- Schal
- Halstuch
- Fausthandschuhe
- Windjacke
- Pullover
- Hemd
- Unterwäsche atmungsaktiv
- Feste Hosen
- warme Strümpfe
- Bergschuhe
Rettungsmittel:
- Sauerstoffvorrat
- Kompass
- Uhr(en)
- Büroklammern
- Reißfeste Schnur (>10m, 400 kg)
- Alufolie
- Messer, Taschenmesser
- Drahtsäge
- Taschenlampe
- Sturmstreichhölzer
- Gasfeuerzeug
- Esbit
- Teelichter
- Lawinenschaufel
- Beil (Axt, Hammer)
Signalmittel (akustisch, optisch):
- Taschenlampe
- Signalraketen
- Knallraketen
- Blitzlampe
- Trillerpfeife
- Signalspiegel
- Signalflagge
- Leuchtstab (grün, blau, gelb)
Vorräte:
- Getränke, Wasser
- Nahrung (BW Einsatzpakete o.ä.)
- Kaugummi (auch Dichtungsmittel)
Schutzmittel:
- Regenschutz
- Folie
- Biwakzelt
- Sonnenbrille
- Plastiktüten
Erste Hilfe:
- Schutzhandschuhe
- Rettungsdecke
- Verbandsmaterial
- Verbandskasten (Pflaster, Kompressen, Binden, Klammern, etc.)
Natürlich muss man nicht zu jedem Flug in oder durch die Alpen eine vollständige Notausrüstung mitnehmen und vorher ein Überlebenstraining absolvieren. Der verantwortungsvolle Gebirgspilot schätzt aber alle Risiken ab und wählt eine Ausrüstung, die dem Gefahrenpotential des Fluggebietes entspricht. Für die Praxis gibt es inzwischen fertig zusammengestellte “Survivalkits” die auf besonders geringes Gewicht ausgelegt sind.
Glücklicherweise haben wir PC-Piloten mit der Situation nach einer Notlandung keine Probleme. Wenn es uns auf einen Gletscher haut, holen wir uns noch nicht mal kalte Füße. Aber ich glaube, der Blick auf die reale Fliegerei erweitert nicht nur unserer Fachwissen.
Hals- und Beinbruch
mak
Tags: ELT, Notausrüstung, Notlandung, Survival