Notlandung im Gebirge
Die wichtigste Entscheidung bei Störungen ist, ob die Störung beseitigt werden kann oder ob ein Notfall zu bewältigen ist. Eine rechtzeitige Sicherheitslandung ist als kontrolliertes Manöver immer einer ungewissen Flugfortführung vorzuziehen. Ist es für eine Sicherheitslandung zu spät und es tritt ein echter Notfall ein, muss der Pilot schnellstens eine Notlande-Möglichkeit finden. Bei der Wahl des Notlandefelds muss der Pilot im Gebirge aber unbedingt auch die Rettungsmöglichkeiten nach einer Notlandung berücksichtigen.
Leider findet man im Gebirge nur selten Flächen, die für eine herkömmliche Landung geeignet sind. Auch im Tal sind ebene Flächen mit geeignetem Untergrund nur selten vorhanden. Deshalb versuchen gestandene Gebirgspiloten, durch eine gezielte Landung in einen Hang, der Ungewissheit einer Landung im Tal zu entgehen.
Eine solche Hanglandung ist aber ohne Motorkraft ein gefährliches Unternehmen. Ohne Ski-Fahrwerk führt eine Hanglandung meist zum Bruch, der aber im Schnee des Hanges deutlich glimpflicher verläuft als auf Bäumen, Felsen oder Geröll. Der berühmte Schweizer Gebirgspilot Hermann Geiger hat diese Landetechnik oft erprobt und zur Rettung von Menschenleben eingesetzt. In seinem Buch „Der Gletscherflieger“ (siehe Artikel: ) findet man die Skizze einer Hanglandung:
Nachdem das Notlandefeld endgültig bestimmt ist, sollte der Pilot Notsignale absetzen. Der Transponder wird auf Code 7700 geschaltet und das ELT wird aktiviert. Dann werden Funksprüche “Mayday, Mayday, Mayday” zum nächsten erreichbaren Flugplatz und auf der internationalen SAR-Frequenz 121,5 MHz gesendet.
Jetzt kann die Notlandung eingeleitet werden. Alle losen Gegenstände werden verstaut oder aus dem Fenster geworfen. Axt und Messer werden bereit gelegt und die Sicherheitsgurte fest gezogen. Vor dem Entriegeln des Ausstiegs wird die Reihenfolge für das Verlassen des Flugzeugs festgelegt. Je nach Untergrund des Landebereichs wird jetzt das Fahrwerk ausgefahren, soweit ein Einziehfahrwerk vorhanden ist. Die meisten Gebirgspiloten bevorzugen unkomplizierte Taildragger, die durch den hochstehenden Propeller unbeschadete Landungen im Hang und auf Schnee ermöglichen.
Brandhahn und Gemischregler werden jetzt geschlossen. Der Pilot sollte jetzt die geringst mögliche Fluggeschwindigkeit einhalten. Wenn noch zu viel Höhe vorhanden ist, darf die Geschwindigkeit nicht verändert werden. Die Resthöhe kann man aber ggf. bis kurz vor der Bodenberührung wegslippen (was leider nur wenige Flugzeuge im FSX realistisch umsetzen können).
Wenn kein Strom mehr benötigt wird, aber spätestens kurz vor der Bodenberührung, wird der Hauptschalter ausgeschaltet. Jetzt werden Kopf und Gesicht der Insassen mit Kissen und Kleidungsstücken geschützt. Kurz über dem Boden werden die Ausstiege geöffnet. Dann gilt es möglichst flach und langsam aufzusetzen.
Nachdem das Flugzeug zum Stillstand gekommen ist, können die Gurte gelöst werden. So weit möglich sollten jetzt alle ohne Panik das Flugzeug verlassen. Natürlich können Notlandungen im Gebirge auch auf Wald oder auf Wasser notwendig werden, was entsprechende Änderungen des Verfahrens erfordert. (Näheres siehe Kapfer Gebirgsflug S.193 ff.)
Wenn alle Insassen diese Notlandung unverletzt überstanden haben, ist im Hochgebirge das Abenteuer aber noch nicht zu Ende. Denn wie bereits beschrieben ist das Auffinden der Verunglückten im Gebirge viel schwieriger als im Flachland. Zusätzlich drohen oberhalb von 2000 Metern auch unverletzten Menschen in kurzer Zeit Erfrierungen. Das Überleben in solchen Situationen ist nur möglich, wenn der Gebirgspilot eine entsprechende Notfallausrüstung mitführt. Der normale VFR-Pilot wird sicherlich staunen, wenn er den Umfang einer solchen Ausrüstung zum ersten Mal sieht.
Um den Umfang des Artikels nicht zu groß werden zu lassen, werde ich die notwendige Notfallausrüstung und das Verhalten in Notlagen in einem weiteren Artikel eingehender beschreiben.
Hals und Beinbruch wünscht
mak
p.s. Wem der Titel “Ende eines Schafs” des obigen Fotos nichts sagt, findet im Artikel vom 21.07.2009 “So nicht” eine Erklärung.
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Tags: ELT, Emergency Locator Transmitters, Emergency Procedures, Gebirgsflug, Hanglandung, Hermann Geiger, Notlandung, SAR-Frequenz, Sicherheitslandung