Notlandung im Gebirge
Fliegen im Gebirge (3)
Heute will ich mich mit einem Thema befassen, das für PC-Piloten ein völlig anderes Gewicht hat als in der Realität, die Notlandung.Das strahlende Sommerwetter verleitete mich mal wieder, einem Aussichtsflug zu den Gipfeln der Alpen zu übernehmen. So startete ich von Bern-Belp mit vier Fluggästen zu einem Flug über das Berner Oberland und dem Wallis. Eigentlich wollte ich meinen Fluggästen wie schon so oft zuvor das Matterhorn vorführen. Doch dieses Mal wollte meine gute alte Beaver nicht so wie ich.
Ich hatte das bärenstarke Wasp-Triebwerk mit viel Dampf bis auf 12.000 feet so richtig schuften lassen, um schnellstens über die Gipfel zu kommen. Leider hatte ich mich durch ein Gespräch mit einem Flugast etwas ablenken lassen und zu wenig Aufmerksamkeit auf die Motorinstrumente verwendet.
Plötzlich sackte das Flugzeug mit einem lauten Knall durch. Der Motor blubberte nur noch ein paar Mal vor sich hin. Dann war er durch Nichts mehr zu bewegen wieder anzuspringen. Ein paar schwarze Qualmwolken aus der Cowling ließen nichts Gutes ahnen.
Beruhigend war, dass bereits 12.000 feet Höhe erreicht waren. So blieb noch genug Zeit zu Handeln. Zuerst habe ich den Propeller in Segelstellung gebracht und das Flugzeug auf Gleitgeschwindigkeit getrimmt. Jetzt galt es, nicht in Panik zu verfallen.
Doch alle Versuche die Fehlerquelle zu finden und den Motor wieder zum Leben zu erwecken, schlugen weiterhin fehl und meine Hände begannen zu schwitzen. Inzwischen waren kostbare Minuten verstrichen und wir befanden uns nur noch in 7600 ft. Höhe. Langsam bekam ich Angst, wovon meine Passagiere aber nichts merken durften…
Das Fliegen im Gebirge unterscheidet sich in einigen Punkten ganz wesentlich vom herkömmlichen VFR-Flug über flachem oder hügeligen Gelände. Sehr deutlich zeigt sich das bei einem Notfall. Im Falle einer nicht behebbaren Betriebsstörung kann eine Sicherheits- oder gar Not-Landung erforderlich werden, die im Gebirge erheblich problematischer ist, als im Flachland.
Grundsätzlich gilt im Notfall: don`t panic! Erst einmal tief durchatmen und stressbedingte Überreaktion vermeiden!
Auch wenn gefährliche Störungen in der Luftfahrt eher selten sind, muss sich jeder Pilot unbedingt auf mögliche Notfälle vorbereiten. Im Gebirge ist eine Notlandung aber wesentlich gefährlicher als in flachem Gelände, denn geeignete Landeflächen sind im Hochgebirge rar. Weiterhin müssen beim Gebirgsfliegen zusätzliche Vorbereitungen für das Überleben nach einer Außenlandung getroffen werden. Da oberhalb von 2000 Metern auch im Sommer innerhalb weniger Minuten akute Erfrierungen auftreten können, ist eine entsprechende Ausrüstung unbedingt erforderlich. Doch dazu später.
Wegen der dünnen Besiedlung und der unübersichtlichen Topografie ist auch das Auffinden nach einer Notlandung im Gebirge oft äußerst schwierig. Deshalb gibt der verantwortungsvolle Gebirgspilot immer einen Flugplan ab. Ergänzend sollten während des Fluges möglichst oft Standortmeldungen gesendet werden. Letztlich überzeugt sich der Gebirgspilot vor dem Start immer von der Funktionstüchtigkeit des eingebauten ELT (Emergency Locator Transmitters), der im Falle einer „harten Landung“ ein Funksignal auf der internationalen Notruffrequenz (121,5 Mhz) sendet. Bei Einhaltung dieser Maßnahmen, sollte ein schnelles Auffinden nach einer Notlandung in den meisten Fällen möglich sein.
Selbstverständlich führt nicht jede Störung zu einem Notfall oder gar zu einer Notlandung. Jeder Pilot muss mit den erforderlichen Verfahren bei Störungen, die im Betriebshandbuch beschrieben sind, vertraut sein. Deshalb muss das Handbuch stets an Bord mitgeführt werden. Nur durch ständiges Üben der Notfallverfahren (Emergency Procedures) kann es gelingen, in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit die Notsituation zu bereinigen.
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Tags: ELT, Emergency Locator Transmitters, Emergency Procedures, Gebirgsflug, Hanglandung, Hermann Geiger, Notlandung, SAR-Frequenz, Sicherheitslandung
